Schlafen im Zelt: Isomatte, Luftmatratze oder Feldbett?
Von Tibor Marton, aktualisiert am
Ob Isomatte, Luftmatratze oder Feldbett besser ist, entscheidet vor allem die Isolation zum Boden, erst danach der Liegekomfort. Eine gute selbstaufblasende Matte oder isolierte Luftmatte hält nachts warm, eine einfache Luftmatratze ist bequem, lässt aber bei kühlen Nächten Kälte von unten durch.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, was der R-Wert aussagt, wie sich die gängigen Schlafunterlagen unterscheiden, welche Kombinationen sinnvoll sind und wie Sie den Schlafsack passend wählen. Zum Schluss finden Sie Händler, bei denen Sie Matten und Feldbetten ausprobieren können.
Warum die Isolation zum Boden so wichtig ist
Im Zelt verlieren Sie nachts viel Wärme an den Boden. Der Schlafsack wird unter Ihrem Körpergewicht zusammengedrückt und isoliert dort kaum noch. Die Unterlage muss diese Aufgabe übernehmen.
Wie gut eine Matte isoliert, beschreibt der R-Wert: Je höher er ist, desto besser hält die Matte Kälte vom Boden fern. Seit 2020 gibt es mit ASTM F3340 ein einheitliches Messverfahren. Werte, die nach dieser Norm ermittelt wurden, lassen sich zwischen verschiedenen Herstellern vergleichen. Ältere oder frei angegebene Werte sind dagegen nur eingeschränkt vergleichbar.
Für Sommercamping reicht meist eine Matte mit niedrigerem R-Wert. Wer im Frühjahr, Herbst oder auf kaltem Boden zeltet, sollte eine Matte mit deutlich höherem Wert wählen oder zwei Unterlagen kombinieren, denn die R-Werte übereinanderliegender Matten addieren sich näherungsweise.
Vier Schlafunterlagen im Vergleich
- Schaumstoffmatte (Isomatte aus geschlossenzelligem Schaum): leicht, unkaputtbar, günstig und sofort einsatzbereit. Dafür dünn, eher hart und sperrig im Packmaß. Ideal als Unterlage unter anderen Matten oder für Kinder.
- Selbstaufblasende Matte: Schaumstoffkern in einer luftdichten Hülle, der sich nach dem Öffnen des Ventils mit Luft füllt. Guter Kompromiss aus Isolation und Komfort, in vielen Dicken erhältlich. Schwerer und größer im Packmaß als Luftmatten.
- Luftmatte mit Isolierung: wird aufgeblasen, hat innen Kammern mit Füllung oder reflektierenden Schichten. Kleines Packmaß und oft dick und bequem. Punktiert sie, verliert sie Komfort und Isolation, deshalb gehört ein Reparaturset dazu.
- Luftmatratze oder Luftbett: dick, weich und breit, oft als Doppelbett und mit elektrischer Pumpe. Ohne Isolierung zirkuliert im Inneren kühle Luft, die nachts Wärme vom Körper abzieht. Gut bei warmen Nächten oder im Wohnwagen, im Zelt bei Kälte nur mit Unterlage.
Das Feldbett ist eine eigene Kategorie: Sie liegen erhöht, weg von Feuchtigkeit und Unebenheiten, und das Aufstehen fällt leichter. Unter dem Bett kann aber kalte Luft zirkulieren. Bei kühlen Nächten braucht auch ein Feldbett eine isolierende Matte obendrauf.
Sinnvolle Kombinationen
Viele Camper kombinieren zwei Unterlagen, um Wärme und Komfort zu verbinden. Bewährt haben sich:
- Schaumstoffmatte unter Luftmatratze: Die Schaummatte isoliert, die Luftmatratze sorgt für Komfort und schützt zudem vor spitzen Steinen.
- Selbstaufblasende Matte auf dem Feldbett: Sie isoliert gegen die kalte Luft unter dem Bett. Achten Sie darauf, dass die Matte nicht breiter als die Liegefläche ist.
- Zeltteppich im Innenzelt: macht den Boden angenehmer und hält etwas Kälte ab, ersetzt aber keine isolierende Matte.
Prüfen Sie vor dem Kauf die Innenmaße Ihrer Schlafkabine. Ein Doppel-Luftbett oder zwei Feldbetten nehmen schnell mehr Platz ein als gedacht. Tipps zur Zeltgröße gibt der Ratgeber Zelt kaufen.
Rücken, Seitenschläfer und Kinder
Wer Rückenprobleme hat oder auf der Seite schläft, braucht vor allem genug Dicke, damit Schulter und Hüfte nicht auf den Boden durchdrücken. Dickere selbstaufblasende Matten, isolierte Luftmatten oder ein Feldbett mit Matte kommen dafür eher infrage als eine dünne Schaumstoffmatte. Ob sich eine Unterlage für Sie gut anfühlt, lässt sich nur im Liegen feststellen.
Kinder frieren schneller als Erwachsene, weil sie im Verhältnis zu ihrem Körper mehr Oberfläche haben. Für sie ist eine gut isolierende Matte in Kindergröße sinnvoller als ein großes Luftbett, in dem sie herumrutschen. Mehr dazu im Ratgeber Camping mit Kindern.
Warum Luftmatratzen scheinbar Luft verlieren
Viele Luftmatratzen wirken morgens deutlich weicher, obwohl sie dicht sind. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens zieht sich die Luft im Inneren zusammen, wenn es nachts kühler wird, und der Druck sinkt. Zweitens dehnt sich neues Material in den ersten Nächten unter dem Körpergewicht. Laut FAQ des Herstellers Intex ist diese Dehnung bei neuen Vinyl-Luftbetten normal, man pumpt in den ersten Nächten etwas nach.
- Abends nachpumpen, wenn die Luft im Zelt schon abgekühlt ist.
- Nicht zu prall aufpumpen, damit Nähte und Ventile nicht überlastet werden.
- Bei echtem Luftverlust das Ventil prüfen und die Oberfläche mit Seifenwasser absuchen: Wo Blasen entstehen, ist das Loch.
- Immer einen passenden Flicken oder ein Reparaturset einpacken.
Den Schlafsack passend wählen
Matte und Schlafsack arbeiten zusammen. Eine warme Matte nützt wenig, wenn der Schlafsack zu dünn ist, und umgekehrt. Die meisten Schlafsäcke werden nach der Norm EN ISO 23537 geprüft und tragen drei Temperaturangaben:
- Komforttemperatur: Bis zu dieser Temperatur schläft eine Normfrau in entspannter Haltung, ohne zu frieren. Dieser Wert ist für die Planung der wichtigste.
- Limittemperatur: Bis hierhin bleibt ein Normmann in zusammengekrümmter Haltung noch warm.
- Extremtemperatur: ein theoretischer Grenzwert, bei dem bereits Unterkühlung droht. Er eignet sich nicht zur Planung.
Orientieren Sie sich an der Komforttemperatur und an den tiefsten Nachttemperaturen Ihres Reiseziels. Wer schnell friert, plant einen Puffer ein.
Typische Fehler
- Eine Luftmatratze ohne Unterlage auf kaltem Boden: bequem beim Einschlafen, kalt ab Mitternacht.
- Nur auf die Dicke schauen: Eine dicke Matte ohne Isolierung kann kälter sein als eine dünnere mit hohem R-Wert.
- Packmaß vergessen: Feldbetten und Luftbetten mit eingebauter Pumpe sind sperrig und schwer.
- Ohne Probeliegen kaufen: Liegegefühl ist sehr individuell, besonders bei Rücken- und Seitenschläfern.
Wo Sie probeliegen und kaufen können
Schlafunterlagen kauft man am besten dort, wo man sie ausprobieren kann. Händler mit Isomatten, Luftbetten, Feldbetten und Schlafsäcken finden Sie unter Zelte und Schlafen, viele davon mit Filialen. Kinderausrüstung finden Sie zusätzlich unter Kinder und Familie.
Decathlon und Globetrotter haben Filialen in vielen Städten, in denen Matten und Feldbetten ausgestellt sind. Wer lieber online vergleicht, findet bei Bergfreunde ein großes Outdoor-Sortiment an Isomatten und Schlafsäcken. Für Luftbetten und Feldbetten lohnt auch ein Blick zu Berger Camping.
Was sonst für die erste Nacht im Zelt dazugehört, fasst die Camping-Checkliste für den ersten Urlaub zusammen. Als nächsten Schritt prüfen Sie die üblichen Nachttemperaturen an Ihrem Reiseziel und wählen danach zuerst die Matte, dann den Schlafsack.
Häufige Fragen
Was ist besser: Isomatte oder Luftmatratze?
Für Wärme ist eine isolierende Isomatte oder Luftmatte besser, für reinen Komfort bei warmen Nächten eine Luftmatratze. Im Zelt bei kühlen Temperaturen ist eine Kombination aus beidem oft die beste Lösung.
Braucht man eine Isomatte unter der Luftmatratze?
Bei kühlen Nächten ja. In einer einfachen Luftmatratze zirkuliert Luft, die vom Boden abgekühlt wird und dem Körper Wärme entzieht. Eine Schaumstoffmatte darunter isoliert und schützt die Matratze zusätzlich vor spitzen Steinen.
Was ist der R-Wert bei Isomatten?
Der R-Wert gibt an, wie gut eine Matte gegen Kälte vom Boden isoliert, je höher, desto wärmer. Seit 2020 messen viele Hersteller nach dem einheitlichen Standard ASTM F3340, sodass sich diese Werte zwischen Marken vergleichen lassen.
Welche Isomatte passt auf ein Feldbett?
Eine Matte, die höchstens so breit und lang ist wie die Liegefläche, damit sie nicht über den Rahmen hängt. Selbstaufblasende Matten oder isolierte Luftmatten eignen sich gut, weil unter dem Feldbett kalte Luft zirkuliert.
Warum verliert meine Luftmatratze nachts Luft?
Oft ist sie gar nicht undicht: Kühlt die Luft nachts ab, sinkt der Druck, und neues Material dehnt sich in den ersten Nächten. Ist die Matratze nach einer Nacht völlig platt, prüfen Sie Ventil und Oberfläche mit Seifenwasser auf ein Loch.
Was bedeutet die Komforttemperatur beim Schlafsack?
Nach EN ISO 23537 ist das die Temperatur, bei der eine Normfrau entspannt liegend nicht friert. Sie ist der sinnvollste Wert für die Auswahl, die Extremtemperatur dagegen nicht.