Camping im Herbst: Ausrüstung gegen Kälte, Nässe und kurze Tage
Von Tibor Marton, aktualisiert am
Camping im Herbst funktioniert gut, wenn Schlafsystem, Kleidung und Licht auf kalte Nächte und frühe Dunkelheit ausgelegt sind. Die wichtigsten Unterschiede zum Sommer sind eine besser isolierende Schlafunterlage, ein wärmerer Schlafsack und ein Plan gegen Nässe und Kondenswasser im Zelt.
Gerade in den Herbstferien sind viele Campingplätze ruhiger, und Familien nutzen die freien Tage für ein paar Nächte draußen. Dieser Ratgeber zeigt, welche Ausrüstung Sie ergänzen sollten, wie Sie sicher heizen und worauf Sie bei der Platzwahl achten.
Platz und Termin planen
Nicht alle Campingplätze haben im Oktober geöffnet. Prüfen Sie die Saisonzeiten auf der Website des Platzes und fragen Sie, ob Sanitärgebäude beheizt sind und ob es Strom an der Parzelle gibt. Beides macht bei Herbstwetter einen großen Unterschied.
Die Herbstferien liegen je nach Bundesland unterschiedlich. Eine Übersicht aller Termine veröffentlicht die Kultusministerkonferenz in ihrer Ferienregelung. Wer flexibel ist, findet außerhalb der Ferien meist noch leichter einen Platz.
- Öffnungszeiten und Saisonende des Platzes prüfen.
- Nach beheizten Sanitärräumen und Aufenthaltsräumen fragen.
- Parzelle mit Stromanschluss buchen, wenn Sie elektrisch heizen möchten.
- Bei Zeltplätzen auf erhöhte, gut entwässerte Stellflächen achten.
Warm schlafen: Isomatte und Schlafsack
Im Herbst verlieren Sie nachts mehr Wärme an den kalten Boden als an die Luft. Deshalb ist die Schlafunterlage mindestens so wichtig wie der Schlafsack. Der R-Wert einer Isomatte gibt an, wie stark sie gegen Wärmeverlust nach unten isoliert: Je höher der Wert, desto besser. Eine dünne Sommer-Luftmatratze ohne Isolation ist im Herbst die häufigste Ursache für kalte Nächte.
Bei Schlafsäcken hilft die Temperaturangabe nach der Norm EN ISO 23537. Sie nennt unter anderem eine Komforttemperatur, bis zu der man entspannt schläft, und eine Limittemperatur, bei der man zusammengerollt noch schlafen kann, ohne zu frieren. Orientieren Sie sich an der Komforttemperatur und planen Sie mit Reserve zur erwarteten Nachttemperatur.
- Isomatte mit ausreichendem R-Wert, bei Luftbetten eine isolierende Matte darunter.
- Schlafsack, dessen Komforttemperatur unter der erwarteten Nachttemperatur liegt.
- Inlett aus Fleece oder Baumwolle als zusätzliche Schicht.
- Mütze und trockene Socken nur für die Nacht.
- Wärmflasche mit heißem Wasser vom Kocher, gut verschlossen und im Bezug.
Händler mit Schlafsäcken und Isomatten finden Sie unter Zelte und Schlafen.
Nässe und Kondenswasser im Zelt
Wenn das Zelt morgens innen nass ist, ist es meist nicht undicht. Menschen geben beim Atmen Feuchtigkeit ab, die sich an der kalten Außenhaut niederschlägt. Im Herbst ist der Temperaturunterschied zwischen innen und außen größer, deshalb bildet sich mehr Kondenswasser.
- Belüftungsöffnungen auch bei Kälte offen lassen, damit feuchte Luft abziehen kann.
- Nasse Kleidung und Schuhe nicht im Innenzelt, sondern im Vorraum oder unter einem Tarp lagern.
- Nicht im Zelt kochen, denn auch Kochdampf bringt Feuchtigkeit hinein.
- Ein Mikrofasertuch bereitlegen, um morgens Tropfen von der Innenseite zu wischen.
- Eine Unterlegplane verwenden, die nicht über den Zeltboden hinausragt, damit sich kein Regenwasser darauf sammelt.
Ein Tarp oder Sonnensegel über dem Eingang schafft einen trockenen Bereich zum Kochen, Sitzen und Ausziehen nasser Sachen. Mehr zu Material und Belüftung steht im Ratgeber Zelt kaufen: worauf achten.
Heizen im Zelt und Vorzelt: was sicher ist
Wer im Zelt oder Vorzelt heizen möchte, nutzt am besten Strom vom Platz und ein Heizgerät, das der Hersteller für diesen Einsatz vorsieht, zum Beispiel mit Kippschutz und Überhitzungsschutz. Beachten Sie die Absicherung der Stromsäule: Heizgeräte ziehen viel Leistung, und die Sicherung löst aus, wenn zusätzlich Wasserkocher oder Föhn laufen. Lassen Sie Heizgeräte nie unbeaufsichtigt oder über Nacht laufen.
Wie Sie Kabel, Adapter und Verteiler sicher einsetzen, erklärt der Ratgeber Stromversorgung auf dem Campingplatz. Händler mit Elektrozubehör finden Sie unter Elektrik und Solar.
Oft reicht es ohnehin, den Körper warm zu halten statt die Zeltluft: eine gute Isomatte, ein warmer Schlafsack und ein heißes Getränk vor dem Schlafengehen.
Kleidung nach dem Zwiebelprinzip
Mehrere Schichten lassen sich an wechselndes Herbstwetter besser anpassen als eine dicke Jacke. Wichtig ist, dass die Schicht auf der Haut Feuchtigkeit ableitet und Sie abends trockene Kleidung zum Wechseln haben.
- Funktionsunterwäsche aus Wolle oder Kunstfaser, keine Baumwolle direkt auf der Haut bei Aktivität
- Fleece oder leichte Isolationsjacke als mittlere Schicht
- Wasserdichte Jacke und Regenhose
- Wasserdichte Schuhe und ein zweites Paar für den Platz
- Mütze, Handschuhe, Schal oder Buff
Für Kinder gilt dasselbe mit mehr Wechselkleidung. Matschhose und Gummistiefel sind im Herbst Pflicht, mehr dazu im Ratgeber Camping mit Kindern. Händler finden Sie unter Outdoor-Bekleidung.
Licht für lange Abende
Im Oktober wird es früh dunkel, und die Abende am Zelt sind lang. Planen Sie mehr Licht und mehr Strom für Lampen ein als im Sommer.
- Stirnlampe für jede Person, Ersatzbatterien oder Ladekabel
- Zeltlampe oder Laterne mit LED für den Innenraum
- Powerbank zum Nachladen von Lampen und Telefon, bei Kälte am Körper oder im Schlafsack aufbewahren
- Reflektierende Abspannleinen, damit niemand im Dunkeln stolpert
Kerzen und offene Flammen haben im Zelt nichts zu suchen. LED-Lampen geben genug Licht und keine Wärme an den Zeltstoff ab.
Kochen bei Kälte
Warmes Essen hält warm und hebt die Stimmung. Beachten Sie, dass Gaskartuschen mit reinem Butan bei Kälte schlecht verdampfen und der Kocher dann schwach brennt. Kartuschen mit Gasgemisch sind für kühle Tage besser geeignet. Welche Kartusche passt, erklärt der Ratgeber Campingkocher: Kartusche, Gasflasche oder elektrisch?.
Kochen Sie im Freien oder unter einem offenen Tarp und halten Sie heißes Wasser in einer Thermoskanne bereit. Das spart Gas und liefert schnell ein warmes Getränk.
Ausrüstung kaufen und ergänzen
Schlafsäcke und Isomatten probieren Sie am besten im Laden aus, weil Länge, Schnitt und Liegegefühl sehr individuell sind. Schlafsäcke, Matten und wetterfeste Kleidung führen zum Beispiel Globetrotter mit Filialen und Onlineshop, Mountain Warehouse und der Onlinehändler Bergzeit. Zubehör für Vorzelt und Strom finden Sie bei Campingfachhändlern wie Berger Camping.
Wer mit dem Wohnmobil im Herbst und Winter unterwegs ist, findet Hinweise zu Heizung, Wasser und Frostschutz im Ratgeber Wintercamping mit dem Wohnmobil auf profi-camping.de.
Ihr nächster Schritt: Sehen Sie auf dem Etikett Ihres Schlafsacks die Komforttemperatur nach und vergleichen Sie sie mit den Nachttemperaturen am Reiseziel. Liegt der Wert darüber, ist ein wärmerer Schlafsack oder ein Inlett die erste Anschaffung für den Herbst.
Häufige Fragen
Kann man in den Herbstferien mit Kindern campen?
Ja, wenn Schlafsack, Isomatte und Kleidung auf kalte Nächte ausgelegt sind und der Platz noch geöffnet hat. Beheizte Sanitärräume und ein Stromanschluss machen den Aufenthalt deutlich angenehmer. Die Ferientermine der Bundesländer veröffentlicht die Kultusministerkonferenz.
Wie heize ich ein Zelt sicher?
Wenn überhaupt, mit Strom vom Platz und einem Heizgerät, das der Hersteller für diesen Einsatz vorsieht, etwa mit Kippschutz und Überhitzungsschutz, und nie unbeaufsichtigt. Gasheizgeräte, Gaskocher und Grills gehören wegen der Kohlenmonoxidgefahr nicht ins Zelt. Oft ist es wirksamer, mit Isomatte und Schlafsack den Körper warm zu halten.
Wie mache ich meinen Schlafsack wärmer?
Mit einer besser isolierenden Isomatte darunter, einem Inlett aus Fleece oder Baumwolle, einer Mütze und trockenen Socken für die Nacht. Eine gut verschlossene Wärmflasche im Fußteil hilft zusätzlich. Gehen Sie warm und mit trockener Kleidung in den Schlafsack.
Warum ist mein Zelt innen nass?
Meist ist es Kondenswasser: Die Feuchtigkeit aus Atemluft und nasser Kleidung schlägt sich an der kalten Zeltwand nieder. Im Herbst ist der Effekt stärker. Lüften Sie auch bei Kälte, lagern Sie Nasses im Vorraum und kochen Sie nicht im Zelt.
Wo kann man im Oktober campen?
Viele Campingplätze in Deutschland haben bis in den Herbst oder ganzjährig geöffnet, andere schließen früher. Prüfen Sie die Saisonzeiten direkt auf der Website des Platzes und fragen Sie nach beheizten Sanitärräumen und Strom an der Parzelle.